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Gerd Gummersbach interviewed
Author:
killaswitch
Publishing date: 18.09.2003 15:00
Everybody knows by now that reggae has advanced to a big thing in Germany nowadays. This didn't happen by a matter of one night, but took years of preparatory work. Cla.at took the opportunity to speak with someone who was among the first to pave the way for reggae in Germany: Gerd Gummersbach, founder of one of the first German soundsystems, ex-owner of an excellent recordstore and nowadays staff-member of the riddim magazine. The interview is German-only due to lack of time, English version may come up later if there is enough demand.
Gerd Gummersbach
Cla.at: Wie bist Du zur Musik gekommen, jetzt gar nicht mal speziell zu Reggae?
GG: Zur Musik bin ich über's Radiohören gekommen, klassisch mit den Beatles.
Und witzigerweise dann auch mit dem Format der Single, die damals ja so DAS Format war. Und wenn du mir dann so mit 30 erklärt hättest dass ich irgendwann nochmal der Single hinterherjage, hätte ich dich... für verrückt erklärt! Also eigentlich habe ich schon immer Musik verfolgt.
Cla.at: Und wann war der erste Kontakt mit "Black Music"?
GG: 1984. Ich hatte gerade bei der Spex angefangen. Der damalige Chefredakteur hieß Gerald Hündgen, der dann auch später zusammen mit Olaf Karnick die großen "Soulful Shack" Parties gemacht hat. Das ist so eine der Soul-Koryphäen in Deutschland, mit einer Sammlung, von der ich nach wie vor träume. Ja und er kam dann eines Nachmittags zu mir ins Büro und hatte sich am Tag vorher eine LP von "Chairman Of The Board" gekauft, und das wurde dann auf Tape gezogen und lief auch bei mir im Büro. Nach Feierabend hatte ich dann nix besseres zu tun, als zu Saturn zu sausen und mir die Platte zu kaufen. Von da an ging's dann ganz böse los, über Jahre Soul gesammelt.
Reggae kam dann so in der zweiten Hälfte der 80er, also auch noch zu Spex-Zeiten, als dann so schöne Platten auf den Teller kamen wie Asher D & Daddy Freddy "Raggamuffin Hiphop", die erste LP der Demon Boys, bestimmte Just Ice Remixe von KRS-1, wo Just-Ice über den Sleng Teng geht... Sleng Teng als Beat sagte mir damals nichts, aber der Beat war geil... London Posse, also so diese Sachen die als Hip-Hop vermarktet wurden, aber doch einen gehörigen Reggae-Anteil hatten, wobei der Reggae halt ein Reggae war, der mir mehr oder weniger nicht bekannt war. Dann ging's halt wieder los mit "man geht zu Saturn", man geht zum Sampler-Fach und kauft sich dann so einige Sampler wo man, wenn man hinten draufguckt, man weder Interpret kennt noch weiss wer jetzt Jammys ist, "einfach mal so kaufen". Gekauft und, denke ich mal, auch direkt das Prinzip eines One-Riddim-Samplers begriffen. Ich hab's einfach geil gefunden dass es dann eine LP gibt mit 12x dem gleichen Beat und jeder der Artists versucht, den Allerbesten drauf zu machen.
Cla.at: War Saturn die einzige Quelle, um an Reggae ranzukommen, oder gab es damals schon in Köln oder in Deutschland andere Bezugsquellen?
GG: Du konntest damals zu Saturn gehen, die werden bis heute durch Fotofon bestückt, und die Auswahl war so für den Starter eigentlich absolut okay.
Aus heutiger Sicht läppisch, war das in der zweiten Hälfte der 80er aber voll in Ordnung. Du konntest auch noch zu WOM gehen und dich dann bei einem Zehntel an Auswahl zum doppelten Preis frohmachen. Den Laden habe ich dann immer gemieden. Als mein Interesse an Reggae mit dem Angebot bei Saturn nicht mehr konform ging, weil ich auch noch anfing, Rodigan zu hören, habe ich mich auf die Suche nach spezialisierten Händlern gemacht. Zu dem Zeitpunkt gab es drei in Deutschland, die ich dann mal angetestet habe, und bin dann bei Irie Records hängengeblieben, weil der Typ wirklich seriös war in seinen Aussagen, viel da hatte und mir nicht mit Sprüchen kam wie "Hatten wir mal da, ist aber gerade weg, kommt nächste Woche wieder rein", und dann hast du nix mehr von gesehen.
Cla.at: Und wann ist die Idee zu Dreadbeat gekommen? Das war ja damals dein Soundsystem, und eines der ersten, wenn nicht DAS erste, Soundsystem in Deutschland.
GG: Das Ding lief halt so: Bei der Spex gearbeitet, auf den "Neuer-Reggae"-Geschmack gekommen, und als ich da so ein halbes Jahr unterwegs war, stellte ich fest, dass im Büro des Chefredakteurs, zu der Zeit, Diedrich Diedrichsen, auch immer Dancehall lief, wenn ich hereinkam.
Habe ihn mal darauf angesprochen und festgestellt, dass wir zeitgleich und unabhängig voneinander auf den Geschmack gekommen sind, und dann stellte sich noch raus, dass ein Dritter aus der Spex-Redaktion, Dirk Scheuring, auch auf dem gleichen Film unterwegs war. Dann war es irgendwie naheliegend, da was draus zu machen. Es gab drei Leute, die diese Musik unabhängig voneinander hörten, und nun wollte man damit in die Öffentlichkeit. Es kam dann ein Kontakt zustande zum Rose Club, wo wir dann alle zwei Wochen Donnerstags einen Termin hatten und Dancehall auflegen konnten. Dreadbeat hat sich nie "Soundsystem" genannt, denn was ist ein Soundsystem? Dreadbeat war keins, hat sich schon immer auf Flyern ab und zu als "Dreadbeat Disco" tituliert, denn wir hatten keine eigene Anlage, wir hatten keinen MC, wir haben einfach Dancehall aufgelegt. Das Konzept aber war, NUR Dancehall aufzulegen und auf die damals klassischen Statements meist junger Mädchen "Es ist ja ganz schön, was ihr macht, aber könnt ihr nicht Bob Marley / Peter Tosh / (und damals ganz neu) Macka B auflegen?" mit "Nein" zu antworten. "Haben wir nicht dabei", oder, je nach Laune, "Kennen wir nicht".
Es war wirklich gewollt, keine Ausflüge in die Vergangenheit zu unternehmen, denn das war ja nicht ganz unpräsent, das Zeug...
Cla.at: Steckte da eine Art Aufklärungsgedanke hinter?
GG: Also nicht im Sinne von "Leute teachen wollen"... "Ey das ist Admiral Bailey... Ey hört doch mal, das ist Lieutenant Stitchie! Hier, hallo, Tiger", oder so. Es war viel naiver, es war einfach hingehen, "Klatsch, hier ist das neue Zeug, das kannst du sonst nirgendwo hören, also versuchen wir, einen Abend auf die Beine zu stellen wo du sowas hören kannst". Nichts weiter, kein ideologischer Überbau.
Cla.at: Wann wurde Dreadbeat gegründet?
GG: Dreadbeat lief von 1987 bis knapp 1990.
Cla.at: Und gab es in Deutschland bereits Andere, die Reggae und Dancehall aufgelegt haben? Oder seid ihr in eine Lücke gestossen, wo es nichts gab, ausser Rodigan, der gelegentlich rüberkam?
GG: Genau, es war eben Rodigan, der hier rüberkam. Ich kann mich auch noch erinnern, es könnte so 1988 gewesen sein... Ich hörte eine Zeit lang seine Radiosendung und bekam dann mit, dass er in Essen auftritt. Bin mit einem Freund da hin, und es war dann so in der Essener Fussgängerzone in einem Afrikaner-Club im weisslackierten Kajütten-Style. Rodigan hat zusammen mit Papa Face aufgelegt, das war so die Soul-2-Soul Zeit, und Papa Face machte dann den Einheizer und spielte die englischen Black-Music-Charts rauf und runter. Dann kam Rodigan, den ich dann auch zum ersten mal in Natur sah, was ja für Jeden ein Erlebnis ist, und dann kam die grosse Pleite... Es war eben das Publikum da, was wir bei Dreadbeat nie haben wollten, und Rodigan wurde dann innerhalb von einer Stunde komplett auf ein Bob-Marley-Programm genagelt, denn bei jedem Tune, der nach dem Ableben von Bob auf den Markt kam, ging das Publikum geschlossen von der Tanzfläche. Es muss für ihn ein ziemlich elender Abend gewesen sein, und wir sind dann auch zügig wieder zurück nach Köln. Ansonsten... Ich kann nicht für Deutschland sprechen, ich weiss nur, dass wir natürlich versucht haben, rauszukriegen, was sonst noch wo stattfindet, aber reine Dancehall-Veranstaltungen waren dann halt Rodigan im Neon's in Bielefeld, und im Bielefelder Raum gab es auch eine Menge englischer Armee-Angehöriger. Der Laden war immer packed, und das Publikum wusste, um was es hier geht.
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